Liebe Gemeindeglieder,

waren Sie schon einmal im schweizerischen Tessin im Urlaub? Wenn ja, haben Sie dabei die Gelegenheit gehabt, die wunderschöne römische Steinbrücke „Ponte dei Salti“ in Lavertezzo im Verzascatal zu bewundern?
Schön elegant geschwungen und nur zu Fuß begehbar.
Ich liebe diese Brücke und sie kommt mir in den Sinn, wenn ich mir bewusst werde, dass ich nun auch eine Brücke zu überschreiten habe, jene vom aktiven Dienst in den „Ruhestand“.
Es gilt für mich, den Rat der Ärzte zu befolgen, nolens volens.
Dekan E.W. Gohl wird mich am 19. Januar 2020 um 15.00 Uhr im Gottesdienst verabschieden. Schon heute möchte ich Sie dazu herzlich einladen. Ich habe vor allem Danke zu sagen. Mit meiner Familie bin ich sehr gerne hier gewesen.
Da war und ist so Vieles, was man nur schätzen kann: die Verbindung von Großstadt und Dorf (wo gibt es das sonst?), von Kirche und Vereinen, von Tradition und Post – Moderne, der Erdverbundenheit und Intellektualität oder ganz schlicht und einfach: die Menschen in ihrer liebenswürdigen Art und all ihrer Verschiedenheit. Alles hat(te) seinen Platz und sein Recht.
Ich bin gerne Ihr Pfarrer gewesen und bin dankbar, dass ich hier wirken durfte. Danke für all Ihre Fürsorge in diesen Jahren, auch und gerade in Zeiten der Krankheit.
Ja, ein bisschen Stolz ist auch dabei, an diesem privilegierten Ort tätig gewesen zu sein. Eben hier und nicht anderswo.
Wir durften viel bewegen in dieser Zeit. Und Sie haben mir viel anvertraut. Vielen Dank für dieses Vertrauen.
Herzlichen Dank allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ein großes Dankeschön dem Kirchengemeinderat. Wir haben hier miteinander ein hohes Maß an gegenseitiger Wertschätzung in all unserer Verschiedenheit gelebt und erlebt. Der Lateiner würde gesagt haben: „Variatio delectat (die Verschiedenheit erfreut)“.
Mein besonderes Augenmerk lag auf der Verbindung von Theologie und Musik. Das galt mir besonders in der Verkündigung. Ist die Botschaft nicht Musik in unseren Ohren, eine Botschaft die froh und frei macht in den Zwängen unserer Zeit? In Jesus Christus ist Gott „pro me“, er ist für mich, zu allen Zeiten. Das gilt auf jeder Brücke, die wir überschreiten. Mehr noch: er ist auch „cum me“, mit mir, bis hin zur letzten Brücke.
In den letzten Jahren ist mir etwas aufgefallen, was mir in jüngeren Jahren entging.
Die Resonanz auf meine Predigten war dann am größten, wenn ich zuvor selbst vom Text besonders angesprochen war. Ja, wir haben Gottesdienste feiern dürfen, die von einem hohen Maß an Empathie zeugten. Daran haben Sie selbst den größten Anteil gehabt durch Ihre Art der Kommunikation.
Wo Empathie ist, ist auch Hoffnung; und umgekehrt. Tragen Sie die Hoffnung weiter.
Das wünscht Ihnen Ihr
Alfred Büchler